Convallaria Conquers
25. Oktober 2021

Italien

Gepostet am 25. Oktober 2021  •  10 Minuten  • 2099 Wörter

Italien hat unser Herz erobert. Wir haben Ende Oktober einen Zeitraum erwischt, der durch wenig Tourismus und verzaubernde Farbenvielfalt jeden Ort zu einer atemberaubenden Schönheit verwandelt hat. Es hat uns an nichts gefehlt. Tauch' mit uns ein in unser erstes Abenteuer mit unserem Camper Convallaria.

Erste Reise - Erstes Glück

Voller Vorfreude auf Italien und voller Spannung, ob unser Camperkonzept auch wirklich reisetauglich ist, starten wir mitten aus dem Arbeitsalltag in unsere erste Reise. Bis dato waren wir nie länger als für eine Nacht mit dem Camper unterwegs - sowohl unsere Ausstattung als auch unsere persönliche Reisementalität bekommen endlich die Chance sich zu bewähren. Rückblickend weiß ich, dass ich am Abreisetag nicht ansatzweise das Wunder hab erahnen können, das uns kurz bevorstand. Alles was wir im Voraus an Planung haben walten lassen, war die grobe Route:

Placeholder

Stop Ort
1 Ligurische Küste
2 Pisa
3 Florenz
4 Chianti
5 Rom
6 Abruzzen
7 Adriaküste
8 Venedig
9 Dolomiten

Lünersee

Endlich ist Abreisetag. Urlaubsreif und alltagsmüde bringen wir die ersten paar hundert Kilometer hinter uns. Bereits in Österreich hüpfen unsere Herzen vom Blick auf die Alpen. Die vielen kleinen Bergseen um uns herum auf der Karte wecken die Abenteuerlust und so setzen wir uns erwartungslos in die Lünerseebahn. Eisblaue Farbe in kühlem Sonnenlicht - Berge und Täler soweit das Auge reicht. Hingerissen schlendern wir in etwa 2h den Rundweg entlang und stoßen auf die ersten Urlaubsgefühle an.

Lünersee

Passo dello Spluga

Italien wir kommen! Wie spektakulär das Überwinden einer Landesgrenze sein kann, lehrt uns vergnügt der Splügenpass, der uns aus der Schweiz nach Italien bringen soll. Schaurig enge Serpentinen schlängeln sich unermüdlich durch anmutige graugrüne Gebirgsketten. Wir müssen sogar mehrfach anhalten und staunen, bis die einbrechende Dunkelheit uns zur Disziplin aufruft.

Splügenpass

Lago di como

Nach diesem gebührenden Reiseeinstand ergibt sich für uns die Notwendigkeit eines Übernachtungsplatzes. Nach dem Blick auf die Karte entscheiden wir uns für eine Nacht am Comer See. Dank Park4Night finden wir einen Stellplatz unmittelbar am Wasser. Die sternenklare Nacht lässt uns bereits erahnen, wie glücklich diese Platzwahl ist. In der aufgehenden Morgensonne des Folgetages begrüßt uns Italien dann von seiner charmantesten Seite.

ComerSee

Orrido di Bellano

Mit dem bescheidenen Ziel des ersten italienischem Kaffees und einer Toilette entdecken wir auf der Karte inmitten der kleinen Stadt Bellano einen misteriösen Dschungel. Die Neugierde ist geweckt und wir landen in einer 15 Millionen Jahre alten Schlucht mit beeindruckendem Wasserfall, dessen Kraft bereits für Schmieden, Mühlen und zuletzt eine Metallgießerei genutzt wurde. Ein wundersamer Ort, der uns für einige Zeit mit urwaldlicher Aura aus der Stadt heraus verschluckt.

Jungle

Off Road La Spezia

Nun endlich steht die ligurische Küste als nächstes Ziel an. Wir suchen einen Schlafplatz, möglichst nah an den bunten Küstenorten, die wir unbedingt erleben wollen. Eine versprochene atemberaubende Aussicht lockt uns zu einem Stellplatz fernab jeglicher Zivilisation, hoch oben in den Bergen von La Spezia - nur zugänglich über einen schmalen, verwilderten Trampelpfad.

Trampelpfad

Zugegeben - unser Herz klopft während wir uns tiefer und tiefer in den Wald wühlen, ohne Wende- oder Ausweichmöglichkeit und ohne Garantie, dass unser Ziel tatsächlich existiert1. Doch dann kommt die Lichtung, der Blick auf unendliche Meeresweiten und die darin zerfließende Sonne. Was an diesem Ort ein Alltagsgeschehen ist, ist für uns ein unbegreifbares Schauspiel der Natur.

OffRoad

Riomaggiore

Was wir nachts von oben als kleines Licht am Meeresufer sehen, entdecken wir am Folgetag als tiefe Bucht geschmückt mit zahlreichen farbenfrohen Häusern. Das Sonnenlicht erobert in den Morgenstunden Fassade für Fassade bis Riomaggiore kunterbunt dem Meer entgegenleuchtet. Für Besucher bietet der verkehrsberuhigte Ort ein Parkhaus am Ortseingang, von dem die Einkaufsstraße und der kleine Hafen fußläufig erreichbar sind.

Riomaggiore

Pisa

Über die App TheFork suchen wir uns in Pisa fernab vom touristischen Getummel ein gemütliches Ristorante. Neben sehr gutem italienischem Vino kommen wir hier auf den Geschmack von Pappa al Pomodoro - eine toskanische Tomaten-Brot-Suppe - die traditionell italienisch und je nach Variante rein pflanzlich zubereitet wird.

Firenze

Wir finden uns auf einem sauberen und stadtnahen Campingplatz. Wir lernen die Blume Italiens kennen - die Dynastie der Medici, die Architektur, da Vinci, Michelangelo und so vieles mehr. Eine unvergessliche Hilfe bietet uns dabei eine Walkingtour inklusive Insidertips. Beschwingt laufen wir anschließend auf eigene Faust einige Spots ab und staunen unter anderem über die Farmacia di Santa Maria Novella, die älteste Apotheke Europas mit traditionell dominikanischen Heilkräutern und Parfümölen.

Farmacia di Santa Maria Novella

Die Nacht feiern wir gebührend auf der Borgo la Groce und schlafen mit Blick auf die glitzernde Stadt glücklich ein.2

Parkplatz Florenz

Beglückt vom florentinischen Flair zieht es uns weiter. Die Chiantigiana (SR 222) führt uns als kurvige Panoramastraße durch das Chianti-Classico-Weingebiet. Die Eindrücke aus bunten weitläufigen Weinlandschaften, charmanten kleinen Städtchen und imposanten Weingütern überschlagen sich regelrecht. Hier unsere drei Highlights der Route:

  1. Panzano in Chianti
    Wir trinken unseren morgendlichen Kaffee. Vor uns breiten sich in aller Weite die Weinberge aus und fesseln uns minutenlang an die kleine Mauer, auf der wir nur kurz sitzen wollten. Panzano
  2. Radda in Chianti
    Buckeliges Kopfsteinpflaster lockt uns in die Altstadt, die mit winzigen Gassen und Winkeln über ihre Beschaulichkeit hinwegzutäuschen weiß. Wir bummeln und lesen auf den Tafeln, was das kleine Städchen uns erzählen will.
  3. Castello di Albola
    Ein Weingut. Anmutig trohnt es auf dem Weinberg. Die Auffahrt ist pompös, die Hecken penibel gestutzt. Amüsiert vom trockenen Humor der Angestellten finden wir hier vollmundige Mitbringsel für die Heimat. Weingut

Es ist mein Geburtstagsabend und so landen wir im niedlichen Vis à Vis in dem kleinen Ort Orvieto. Die kreativen Gerichte, mit denen uns das vegane Restaurant verwöhnt, liegen völlig außerhalb unserer Vorstellungskraft und überraschen uns in jedem ihrer liebevollen Details. Geburtstagsmenü

Roma

Die unverblümte Wahrheit vorweg - die Chemie hat nicht gestimmt. Wir werden trotz aller Bemühungen nicht warm mit der ewigen Stadt - tourististisches Gedränge, Müllberge und Armut verdrängt den antiken Zauber, die Faszination der Architektur und die imposante Historie in jedem versuchten Augenblick unseres Aufenthalts. Rom

Einzig der Petersdom verschafft uns einen Moment des Staunens. Anmutig hütet jede Fliese, jeder Stein und jede Figur dort ihr eigenes Geheimnis. Für ein paar Minuten flieht der Trubel in den Hintergrund. Die Zeit scheint still zu stehen, während wir uns mit Reiseführerwissen von der mystischen Aura tragen lassen.

Petersdom

An dieser Stelle findet nun eine ganz besondere Herzensempfehlung ihren Platz. Es ist dunkel, es regnet und unsere Stimmung findet durch unser Unwohlsein in Rom ihren Tiefpunkt der Reise. Auf unserer Flucht in Richtung Abbruzzen halten wir für eine Pause in dem winzigen Ort Sora. Wir landen im Grado12 und erfahren ein Wunder aus tiefer italienischer Herzlichkeit. Wir werden mit heimischen Oliven und Bruschetta verwöhnt und scherzen mit Fremden bis uns vor Lachen die Puste wegbleibt. Der Abend wird unvergessen sein.

Abruzzo

Im Scheinwerferlicht schlagen blutrote Laubbäume bedrohlich über der kurvigen Straße zusammen. Was nachts wie ein Feuer unsere Fahrt begleitet begrüßt uns tagsüber am Lago di Barrea und auch am Lago die Scanno als unvergessliches Farbenspiel. LagodiBarrea Da die Abruzzen mit Wanderwegen übersäht sind, können wir die Sonnenflecken gezielt ablaufen ohne vom stürmischen Regenwetter eingeholt zu werden. Als wir schon zur Weiterreise aufgebrochen sind, fängt uns ein letzter Spot ein. Wir kochen unser Abendessen und können uns erst vom Ausblick lösen, als die einbrechende Dunkelheit nichts mehr davon übrig lässt.

LagodiSanDomenico

Adriaküste

Es zieht uns endlich Richtung Meer. Wir finden einen Parkplatz unmittelbar am Strand, lauschen den stürmischen Wellen bei Nacht bis die Sonne langsam und glitzernd aus dem Meer auftaucht. Sunrise Wir schmeißen uns die Wanderklamotten an und nehmen uns die steinige Küste kurz vor Ancona vor. Zur Belohnung strahlen Himmel und Meer in allen Blautönen um die Wette. Wir steuern grob den Aussichtspunkt Belvedere Sud an und suchen uns anschließend einen abenteuerlichen Platz für unser Picknick aus Oliven und Chrissini.

Küstenwanderung

In Italien schließen viele Campingplätze bereits zum Oktober, ab November waren sie letztlich eine völlige Rarität. Kurz vor Venedig sind wir also sehr froh einen behaglichen Campingplatz für eine ausgiebige Dusche zu finden.

Venezia

Wenn der Himmel sich zuzieht, der Regen die Farben der Stadt um eine Nuance dunkler färbt und in den engen Gassen das Pflaster glänzt, weil die Lichter der Fenster und Läden sich in ihm spiegeln, dann scheint Venedig in sich zu ruhen.

Venezia

Die Worte von Thomas Haags Reisebericht vervielfachen unsere Vorfreude während wir mit dem Wasserbus3 nach Venedig fahren. Die Stadt zieht uns mit jedem zurückgelegten Weg mehr und mehr in ihren Bann. Neben den faszinierenden Spots die wir uns vorgenommen haben, können wir nicht genug davon bekommen, durch die Gassen zu streifen und neue Details zu entdecken. Venedig ist überschaubar, wahrlich charmant und trotz allen Ruhms sehr bodenständig. Jahreszeit und Wetter vermachen uns ein nicht allzu touristisches und umso zauberhafteres Erlebnis. Hier unsere wärmsten Empfehlungen für einen venezianischen Besuch:

  1. Markusplatz
    Stell dich in die Mitte des Markusplatzes und lass das Treiben auf dich wirken. Inspiziere den Markusdom, den Dogenpalast und auch die vielen Tauben um dich herum. Such den schwarzen Flügel, dessen zarter Klang liebevoll vom Wind über das Pflaster zu dir getragen wird. Wenn du wie ich neugierig wirst, welche Geheimnisse du wohl übersiehst - Wikipedia leistet schnelle Hilfe.
  2. Seufzerbrücke
    Meide die Touristenmeute auf der gegenüberliegende Fußgängerbrücke. Wenn sie alle zur Brücke hinaufsteigen bleibst du unten am Kanalufer. Stell dich auf den kleinen Vorsprung direkt am Kanal. Du hast freie Sicht und kein Gedränge um dich herum.
  3. Kleiner Steg
    Er trägt seinen Social-Media-Ruhm nicht zu unrecht. Ein Besuch am kleinen Steg lohnt sich für ein perspektivisch hochwertiges Andenken. KleinerSteg
  4. Gelatoteca Suso
    Ungeschlagen in ihrer Kreativität liefert diese Eisdiele unzählbare vegane und nicht-vegane Sorten in bunter Vielfalt. Gelatoteca
  5. Liberia Acqua Alta
    Eine Buchhandlung und ein Abenteuer zugleich. Gondeln, Kätzchen und unendlich viele Bücher - neu und secondhand - in verblüffend gemütlicher Unordnung.
  6. Squero di San Trovaso
    Direkt gegenüber der venezianischen Gondelwerkstatt, in der man die fleißige Restauration der typischen Fortbewegungsmittel beobachten kann, finden wir eine belebte Osteria, die uns mit leckeren Snacks und Aperol die Sicht auf die Werkstatt versüßt. Werkstatt

Venedig zu verlassen fällt uns wahnsinnig schwer. Trotzdem finden wir letztlich unseren Schlafplatz für die Nacht nördlich der Stadt auf dem Weg zum letzten Ziel unserer Italienreise.

Dolomiti

Optimismus und Spontanität statt Wetterprognose lautet unsere Reisedevise! Die Dolomiten erwischen uns dementsprechend eiskalt - im wahrsten Sinne des Wortes. Dolomiten Die meisten Wanderwege sind bereits unbegehbar doch wir zwiebeln uns mit allerhand Kleidung ein und bestreiten einen Spaziergang um den Lago di Dobbiaco. Unsere Standheizung ist zu der Zeit noch Zukunftsmusik - mehr dazu bald auf unserem Ausbau-Blog. Wir fahren also für die Nacht noch weiter in wärmere Gefilde. LagodiDobbiaco

Königssee in Schönau

Mit der Außentemperatur im Blick finden wir einen gemütlichen Campingplatz nahe des Königssees. Statt einer Dolomitenwanderung improvisieren wir einen Ausflug über den Königssee. Eine niedliche Fährfahrt bringt uns nach St. Bartholomä. Über komoot machen wir uns dort spontan auf die Suche nach der Eiskapelle und sind maßlos überrascht von diesem faszinierendem Naturschauspiel. Weit unter der Schneegrenze entsteht hier aus den gewaltigen Lawinen der Watzmann-Ostwand ein Gletscher. Die Mengen reichen aber für ein fließendes Konstrukt nicht aus, sodass ein geräumiger Hohlraum - die Eiskapelle - entsteht. Eiskapelle

Sehr glücklich und beladen mit vielen neuen Eindrücken, Campererfahrung und zahlreichen atemberaubenden Augenblicken treten wir also die Rückkehr nach Deutschland an. Wir sind dankbar und überaus zufrieden sowohl mit der Reise als auch mit unserem Camper-Konzept. Nun denn - wir sind bereit fürs nächste Convallaria-Abenteuer!

Seid ihr neugierig, wie wir unseren Convallaria ausgebaut haben? Dann haben wir gute Nachrichten! Der Ausbau-Blog mit allen schmutzigen Details steht schon in den Startlöchern - bei Instagram halten wir euch über alle Uploads auf dem Laufenden. Schreibt uns für Feedback oder Fragen dort auch gern eine Nachricht. Wir lesen uns im nächsten Blog - bleibt uns abenteuerlich!

Convallaria Conquers Italia - First Camper Road Trip



  1. Obacht! Der Spot ist für Wohnmobile nicht erreichbar. In der Hauptsaison kann es euch zum Verhängnis werden, wenn der Platz bereits belegt ist, oder euch ein Camper entgegen kommt. Schaut ggf. zu Fuß nach, ob ihr freie Bahn habt! ↩︎

  2. In Florenz gelten wie in vielen großen Städten Italiens tageszeit- und wochentagsabhängig sog. Non-Driving-Zones, die sehr schwer zu durchschauen sind. Schaut euch online die Karten und Geltungszeiten gut an. Unser Schlafplatz war nachts kostenfrei. ↩︎

  3. Zu unserem großen Ärgernis sind wir auf den Scam des Venezia Unica City Pass hereingefallen. Entgegen der Aussage “Venezia Unica City Pass ist ideal, um Ihren Aufenthalt in Venedig zu organisieren und so Zugriff auf die öffentlichen Verkehrsmittel und das kulturelle und touristische Angebot der Region zu haben." konnten wir mit dem teuren Pass keine Verkehrsmittel nutzen und der “VIP-Eintritt” für den Dogenpalast spart keine Anstehzeit, da scheinbar alle Touristen diesen vermeintlichen Vorzug nutzen. Die Kirchen, die wir alle hätten kostenlos besichtigen können, waren im November bereits geschlossen. Ein einfaches Tagesticket für alle Wasserbusse war letztlich für uns die beste Lösung. ↩︎

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